• Wiebke

'eine Sache der Perspektive'

im Augenblick leucht die Sonne durch mein Wohnzimmerfenster: die Kirschbaumblüten sind aufgesprungen und leuchtendes Weiß einer unermeßlich großen Zahl kleiner Blüten leuchtet mit entgegen und dazwischen aufsprießendes Grün. Sie sind für mich ein Zeichen der Treue Gottes und des kraftvollen Lebens. Die Straße ist leer und stumm. Die Rollläden der Nachbarn sind hochgezogen, aber niemand zu sehen. Pandemie - selbst im Elsass - scheint weit weg und doch weiß ich, Nachbarn sind betroffen. Ich muss es mir immer wieder bewusst machen: ich bin mittendrin. Und mein Beitrag, mich an die Kontaktbeschränkung zu halten erfordert Disziplin und Solidarität mit all denen, die Angst haben und dennoch arbeiten in den Supermärkten, in den Krankenhäusern, an den Grenzen, den Sicherheitsdiensten, den Notdiensten der Handwerker, denen, die Gebrechliche zu Hause versorgen. Sehe ich eher die Beschränkung meiner persönlichen Freiheit oder die Chance, meinen Beitrag zu leisten für die Bedrohung von Menschenleben und die Unterstützung derer, die uns mit dem notwendigen versorgen. Auch in der Beschränkung von direkten Kontakten erfahre ich die Nähe des menschennahen Gottes, der Wege findet, uns Fürsorge erfahren zu lassen über das Telefon, das Internet, das Radio und Fernsehen, über den Gartenzaun oder von Fenster zu Fenster: ein Winken, ein Zuruf und insbesondere auch ein Austausch über das Telefon. ‚Von allen Seiten umgibst du mich und hälst deine Hand über mir‘ (Ps 139) - neu und anders als bisher gehört und doch so nah.


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